100 Sprachen hat Berlin!
In Berlin werden weit über 120 verschiedene Sprachen als Herkunftssprachen gesprochen, was die Stadt zu einem Schmelztiegel der Kulturen macht. Die Vielfalt spiegelt die internationale Bevölkerung aus über 180 Nationen wider.
In den Berliner Kitas werden Kinder mit all ihren Sprachen willkommen geheißen und sehr viele Einrichtungen bieten einen bilingualen bzw. mehrsprachigen Alltag an. Damit wird dem Recht des Kindes auf seine Herkunftssprache / Familiensprache Rechnung getragen und auch alles dafür getan, dass das einzelne Kind gut in der deutschen Sprache ankommt. Denn dies ist eine wichtige Voraussetzung für einen guten Start in die Grundschule.
Weil das bilinguale oder mehrsprachige Konzept mehr Personal benötigt, erhalten die Kitas im Land Berlin einen Zuschlag. Das soll sich ab Januar 2027 ändern. Und damit fangen die Probleme an …
Warum das so ist beschreiben wir hier. (Link zu einem Hintergrunddokument)
Um die pädagogische Arbeit in den Berliner Kitas und Kinderläden mit bilingualem und mehrsprachigem Konzept weiterhin sicherzustellen, muss weiterhin eine zusätzliche Finanzierung für diese Kitas weiterhin vorgesehen werden.
Die Aktion „100 Sprachen hat Berlin!“ ist ein Zusammenschluss von bilingualen / mehrsprachigen Kinderläden und Kitas im Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS).
Forderung
Wir fordern die Zahlung eines kindbezogenen Zuschlags in Höhe des aktuellen ndH-Zuschlags für bilingual/mehrsprachig arbeitende Kindertagesstätten in Berlin mit einem Anteil von mind. 60% Kinder nicht deutscher Herkunftssprache.
Das entspricht etwa einer halben Stunde pro Kind und Woche mehr finanzierte Zeit für diese Einrichtungen. Gut investierte Zeit für einen guten Übergang und ein gutes Ankommen in den Berliner Schulen.
Argumente
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Die Ergebnisse der Sprachstandfeststellungen in bilingualen/mehrsprachigen Kitas sind gut
In allen Berliner Kitas wird rund um den 4ten Geburtstag eines Kindes der sprachliche Entwicklungsstand erhoben. Und auch, wenn sich für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache oft ein weitergehender Sprachförderbedarf ergibt, sehen die Fachkräfte die positiven Entwicklungen beim Erwerb der deutschen Sprache, die Basis für einen guten Start in die Schulzeit darstellt. Die Kitas haben also eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe, wenn es um die Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache unter Berücksichtigung der Familiensprache geht.
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Berliner Schulen, insbesondere Europaschulen, loben die Vorbereitung auf den mehrsprachigen Unterricht
Als internationale Stadt ist Berlin stolz auf seine Vielzahl an Schulen, die ab der 1. Klasse mehrsprachig unterrichten oder mind. eine zweite Sprache integrieren. Die staatlichen Europaschulen und sprachbetonten Schulen in der Stadt beschreiben einen erkennbar leichteren Einstieg für Kinder, die vor dem Schulbesuch eine bilinguale/mehrsprachige Kita besucht haben. Dies mag in erster Linie daran liegen, dass diese Kinder mit der durchgehenden Mehrsprachigkeit im Alltag gut vertraut sind und Sprachkompetenzen im Deutschen wie auch ihrer Familiensprache mitbringen.
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Die Anmeldezahlen für bilinguale/mehrsprachige Kitas zeigen eine hohe Nachfrage
Eltern haben ein Wunsch- und Wahlrecht, wenn es um die richtige Kita für das eigenen Kind geht. Das ist ein hohes Gut und deshalb auch bundesrechtlich verankert. Der Rückgang der Kinderzahlen in Berlin führt bei vielen Kitas zu freibleibenden Plätzen. Die große Mehrheit der bilingualen/mehrsprachig arbeitenden Kitas und Kinderläden hat dieses Problem nicht. Familien suchen genau diesen Ort für ihr Kind, damit einerseits das Kind eine gute Unterstützung beim Erwerb der deutschen Sprache erhält, aber auch der Familiensprache weiterhin verbunden bleibt.
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Bilinguale/mehrsprachige Bildung ist auch immer kulturelle Bildung
Eine Kita mit einem bilingualen oder mehrsprachigen Konzept beinhaltet auch immer die Abbildung verschiedener kultureller Herkunftsräume. Das Verschmelzen verschiedener Kulturen, das Zusammenwirken verschiedener Einflüsse als einen Mehrwert zu stärken, ist Teil der frühkindlichen Bildung dieser Einrichtungen. Denn Sprache ist das Ergebnis einer kulturellen Entwicklung und kann letztlich nie ohne Einbeziehung der familiären Herkunft als Ganzes gelebt werden.
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Bilingualität/Mehrsprachigkeit ist nicht nur ein Konzept, sie ist eine Kompetenz
Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, lernen ganz alltäglich von Beginn an einfach mal so mind. eine zweite Sprache. Das ist enorm und muss als eine wichtige Kompetenz betrachtet werden. Die Startchancen beim Spracherwerb im schulischen Kontext sind somit oft bereits besser. Auch wenn der Wortschatz in der einzelnen Sprache ggf. hinter Gleichaltrigen mit nur einer Sprache zurückbleibt, liegt der gesamte Wortschatz dieser Kinder oft über dem von Kindern mit nur einer Sprache. Das Wechseln und Mischen von Sprachen sind kognitive Herausforderungen, die diese Kinder spielerisch meistern und die leider nicht ausreichend als besondere Kompetenz gewürdigt wird. In einer Welt, in der sich Sprachräume immer mehr aufheben, Mehrsprachigkeit zum Standortfaktor wird, braucht es genau diese Kompetenz.
Material
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Forderungspapier
Forderungspapier der Kampagne "Hundert Sprachen hat Berlin!"
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Offener Brief dt.-franz. Kitas
Offener Brief deutsch-französischer Kitas (Okt 25)
mit Antworten
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Forschungsprojekt
"IMKI - Effekte einer aktiven Integration von Mehrsprachigkeit in Kindertageseinrichtungen"
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Studie
Mehrsprachigkeit ist toll, aber...? Einstellungen pädagogischer Fachkräfte zur mehrsprachigen Sprachbildung und Förderung von Herkunftssprachen im Elementarbereich
Termine
12.5.26, 19 Uhr, Kampagnentreffen "Hundert Sprachen hat Berlin!", ONLINE, Anmeldung über babette.sperle@daks-berlin.de
